Jetzt sind schon 4 1/2 Monate vergangen — und mein Praktikum neigt sich dem Ende zu (nur noch 2 Wochen!). Ich schreib’ hier gerade fleißig an meiner Studienarbeit, von der ich zumindest die Hauptkapitel hier fertigbekommen möchte, bevor es für eine Woche nach Schottland (Urlaub!
) und anschließend zurück nach Deutschland geht.
An die meisten Sachen habe ich mich hier wunderbar gewöhnt, wobei einige mir doch noch etwas komisch vorkommen. Der Suffolk-Akzent war am Anfang schon recht seltsam und hat vor allem am Telefon Probleme bereitet, aber nach einigen Wochen hatte ich mich da “reingehört”. Nicht so richtig gewöhnen konnte ich mich bisher an die englische Höflichkeit: Die scheint mir doch irgendwie recht oberflächlich. Wenn man bei jeder Sache, egal wie klein, egal wer Schuld hatte, “Sorry” sagt, geht irgendwie die Bedeutung verloren. Und freundlicher wird man dadurch auch nicht unbedingt. Manchmal ist es aber recht schön: Jeden Morgen vom Busfahrer begrüßt zu werden (auch wenn das nur zu seiner Arbeit gehört), ist doch ein etwas schönerer Start in den Tag.
Dafür ist die Busfahrt sehr langwierig: Alle paar Meter ist eine Haltestelle. So muss man zwar nie weiter als 50 m gehen, aber der Bus hält laufend an, um ein oder zwei Leute einsteigen zu lassen. Einige Busfahrer lassen dann auch schon mal von einer Haltestelle zur nächsten die Tür offen, damit es nicht ganz so lange dauert. Deswegen ist wohl auch ein großes Warnschild an der Tür, während der Fahrt nicht auszusteigen. Ähnliche Schilder mit eigentlich offensichtlichen Hinweisen sind hier übrigens des öfteren zu finden. “Please queue here” kann man z.B. bei vielen Warteschlangen lesen.
Sehr verdutzt haben mich auch einige Straßenschilder. Was ist bitteschön ein “Humped Pelican Crossing”? Oder was macht ein Tukan im Straßenverkehr? “Zebras” sind ja auch auf Deutschlands Straßen anzutreffen, aber was hat ein Pegasus oder eine Papageientaucherkreuzung zu bedeuten? Letztendlich sind das alles nur Kunstwörter: Pelican steht für PEdestrian LIght CONtrolled crossing (bei dem ein o zum a geworden ist). Eine Toucan crossing ist eine Kreuzung für Fußgänger und Radfahrer. Na, wer hat eine Idee, warum die so heißt? Natürlich weil da beide rüber können!
Also “two can”. Und das klingt eigentlich genau so wie Toucan — und daher der Name. Bei der Puffin (Papageientaucher) crossing ist die Anzeige auf der eigenen Straßenseite und nicht gegenüber (siehe 2. Bild unten). Und es gibt einen Sensor, der registriert, wenn man nach dem Drücken des Knopfes einfach die Straße überquert hat ohne auf Grün zu warten. Eigentlich sehr intelligent und auch recht sinnvoll hier, da eigentlich keiner hier auf Grün wartet, wenn grad kein Auto kommt. Auch nicht als Vorbild für Kinder. Puffin steht dabei für “Pedestrian User-Friendly INtelligent” crossing.
Sehr gefallen haben mir in England die vielen Pubs. Dort geht man nicht nur hin um was zu trinken, sondern es gibt überall auch eine reichhaltige Auswahl an Burgern, Steaks und anderen traditionellen englischen Gerichten, sowohl zum Mittag als auch abends. Und das zu einem fairen Preis. Wenn möglich, sollte man das unbedingt der englischen “Doner”-Variante vorziehen. Die hat mit dem deutschen Döner nicht viel gemeinsam und schmeckt nicht mal annähernd so lecker. So hatte mein Döner kein Fladenbrot, sondern indisches Naan-Brot (wahrscheinlich durch den Einfluss der vielen Inder, die hier in England leben). Das eigentliche Döner-Fleisch hat ähnlich geschmeckt, aber dazu gab’s dann (viel) Krautsalat, eine Scheibe Tomate und zwei Scheiben Gurke, und wahlweise Barbeque, Joghurt oder Knoblauch-Soße. Da freue ich mich doch wieder auf den deutschen Döner. Und auch sonst freue ich mich schon ein bisschen, wieder zurück in die Heimat zu kommen.
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