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Letzter Tag in Ipswich
Am Freitag war für mich der letzte Tag auf der Arbeit und morgen verlasse ich dann auch Ipswich, um eine Woche Urlaub in Schottland zu machen. Die Sachen sind gepackt, sodass ich jetzt noch etwas Zeit für meinen letzten Blogeintrag aus England habe. Ich werde aber auch weiterhin hier über meine Studienarbeit und alles Weitere berichten, was so anliegt (Photos aus Schottland gibt’s dann auch hier
).
Mein Praktikum bei BT ist im Rückblick sehr erfolgreich verlaufen. Das Programm zur Analyse von sozialen Netzwerken läuft, und nach meiner Präsentation wurde auch schon Interesse bekundet, es einzusetzen. Es freut natürlich immer ungemein, wenn die Arbeit, die man gemacht hat, letztendlich auch irgendwie praktisch genutzt werden kann.
Auch kann ich jedem, der die Chance hat, hier ein Praktikum zu absolvieren, nur raten es zu machen: Die Atmosphäre unter den Kollegen — viele davon auch Studenten oder kurz nach ihrem Abschluss — ist sehr nett: Regelmäßig wird an den Wochenenden etwas gemeinsam unternommen, man trifft sich auf ein Bierchen oder guckt einen Film. Die Arbeit ist wirklich interessant und jedenfalls ich konnte mir nach Gesprächen mit mehreren Betreuern ein Thema für meine Studienarbeit, welches ich bearbeiten möchte, aussuchen. Selbige konnte ich auch schon begleitend zum Praktikum anfangen zu schreiben und es gab auch immer tollen Feedback von Dymitr und Martin, denen ich dafür besonders danken möchte.
Wegen der Sprache braucht sich übrigens keiner Sorgen machen: Auch wenn der Dialekt hier anfangs etwas eigenartig ist, so hört man sich doch schnell rein. Und mit den zwei Wörtern “Cheers” und “Sorry” kommt man in England wunderbar in allen Lebenslagen durch den Alltag.
So, aber jetzt wird’s Zeit für meinen Urlaub und ich freue mich auch schon wieder, in einer Woche zurück in Deutschland zu sein und euch alle wieder zu sehen.
Ipswich vs. Valladolid
Am Freitag war ich endlich mal im “Ipswich Town Football Stadium” (wenn auch nur ein Freundschaftsspiel), welches hier quasi gleich um die Ecke liegt und ich schon etliche Male von außen gesehen hatte. Ipswich spielt momentan in der Coca-Cola Championship (so heißt hier die 2. Liga; wobei die 3. Liga kurioserweise Coca-Cola League 1 heißt). Früher war Ipswich noch deutlich erfolgreicher, so haben sie 1962 die englische Fußballmeisterschaft geholt, sind dann aber bald wieder abgestiegen. So richtig erfolgreich wurden sie erst, nachdem Sir “Bobby” 1969 Trainer wurde. Er hat sie in den nächsten 12 Jahren zu einem FA- und UEFA-Cup Sieg (’78 und ‘81) geführt und in der First Division (die “alte” Premiere League) regelmäßig einen der obersten 5 Plätze belegt.
Freitag, am Tag des Spiels, ist er gestorben (hat man davon in der deutschen Presse eigentlich was gehört?). Darum hatte das Spiel mit einer Schweigeminute angefangen und die Fahnen waren auf Halbmast (siehe Bilder). Ich hatte die Ansagen allerdings nicht mitbekommen, da ich mir vor dem Spiel noch ein Bier gekauft hatte und mir ein Ordner danach freundlich erklärt hatte, dass ich mit dem Bier nicht auf die Tribüne darf. Naja, als die Schweigeminute gerade angefangen hatte, bin ich auf die Tribüne gestapft und wurde komisch angeguckt. Hatte dann aber erstmal gewartet, bis ich meinen Platz gesucht habe…
Vom Spiel ansich gibt’s nicht so viel zu berichten: Es war nur ein Freundschaftsspiel und auch nicht wirklich das Schönste. Die erste Halbzeit hat Valladolid mit einem Elfmeter 0:1 beendet. Von den Ipswich Fans hatte man währenddessen nichts gehört, unsere Spanier von der Arbeit, von denen 10 mitgekommen sind, haben da noch die meiste Stimmung gemacht. Das hat ihnen auch einen Artikel in der spanischen Presse gebracht
. In der zweiten Halbzeit wurde Ipswich dann besser und hat drei Tore geschossen, wonach die Fans auch aufgewacht sind. 3:1 ist es dann auch ausgegangen. Anschließend wurde das Spiel dann noch im nächsten Pub gefeiert, viele Ipswich Fans hatten sich aber nicht sehen lassen. Vielleicht schaff ich es noch zu einem Championship-Spiel zu gehen, um dann Mal richtigen englischen Fußball zu erleben.
Ipswich Music Day
Letztes Wochenende ging’s zum Ipswich Music Day — eine Art Volksfest mit Livemusik und einem kleinen Rummel im Christchurch Park. Man konnte sich den ganzen Tag lang verschiedene Bands auf sechs Bühnen anhören, wovon einige auch ganz gut geklungen haben. Der Eintritt war kostenlos und (deswegen?) war es auch rammelvoll, sodass man sich seinen Weg mühsam durch den Park bahnen musste. Auf den Bildern ist das allerdings nicht so gut zu erkennen, höchstens auf dem Dritten sieht man, dass es vor einigen Bühnen doch recht voll war (sorry für die schlechte Qualität der Bilder, ich hab’ mal wieder meine Kamera nicht dabei gehabt und musste deswegen mein iPhone bemühen…).
Das Wetter war übrigens super, auch wenn der Wetterbericht heftige Schauer vorhergesagt hat. Einige Touristenstädte haben sich auch schon über den Wetterbericht aufgeregt und ihm vorgeworfen, für den Verlust von über einer Million Pfund an Einnahmen durch Touristen schuld zu sein (an dem Wochenende, wo ich mit meinen Schwestern in Felixstowe war)… Naja, Wetter ist hier immer gerne ein Thema, sowohl bei schlechtem, aber auch bei schönem Wetter.
Am Nachmittag sind wir dann in einen Pub gegangen, um noch den letzten Satz vom Wimbledon-Finale mitzubekommen. Und was für einer! Mit 16-14 das höchste Ergebnis je bei einem Grand Slam Finale. Das Federer dann letztendlich gewonnen hat — mit nur einem einzigen Break im gesamten Match. Die Sympathien lagen hier eindeutig bei Federer, hauptsächlich weil Roddick den Schotten Murray rausgeworfen hat. Auch wenn sich Schotten und Engländer sonst weniger leiden können, waren sie dann auf einmal wieder “Briten” und für ihren Landsmann.
In dem Pub (McGinty’s) kann man immer sehr schön im schattigen Außenbereich sitzen und alle wichtigen Sportereignisse auf dem Beamer verfolgen. Das heißt hier dann einfach “Big Screen”. Der deutsche Begriff “Public Viewing” wäre im englischen zu makaber — dazu gibt es übrigens auf Nothing for Ungood einen ganz lustig zu lesenden Artikel.
Cambridge, London, Felixstowe…
Letztes Wochenende gab’s Besuch von meinen Schwestern. Und Besuch ist immer eine tolle Möglichkeit, selber etwas mehr von der Umgebung zu sehen. Selbst in Ipswich habe ich noch ein paar neue Sachen gesehen. So haben wir uns die Christchurch Mansion angeguckt, ein heute öffentlich zugängliches Anwesen. Teile davon sind noch, seit es 1548 gebaut wurde, erhalten, vieles aber wurde später durch einen der vielen Besitzer hinzugefügt, was zu einer interessanten Mischung an Epochen geführt hat. Viele der Räume sind noch original von den letzten Bewohnern erhalten, nachdem es schon 1896 zum Museum wurde und heute der Stadt Ipswich gehört.
Nächstes Highlight war ein Ausflug nach Cambridge, und zwar in die berühmte Universitätsstadt. Cambridge gibt es nämlich noch ein zweites Mal im Westen Englands, welches aber, wie ich lernen musste, anders ausgesprochen wird (”kæmbrɪdʒ” anstatt “keɪmbrɪdʒ”). Hingekommen sind wir in ca. einer Stunde mit dem Zug. Dort haben wir dann zunächst die Colleges der University of Cambridge (naja, einige jedenfalls) angeguckt. Sieht alles sehr teuer und elität aus. Dass dem auch wirklich so ist, konnte mir später eine Studentin des “Jesus College” bestätigen — um dort studieren zu können, muss man entweder ein Genie sein oder viel Geld haben. Erstere Gruppe hat dann allerdings auch eine erkleckliche Anzahl an Nobelpreisträgern hervorgebracht.
Anschließend ging’s zum “Punten” auf den Fluss. Da habe ich dann mein Bestes gegeben, um irgendwie zwischen den tausend Booten hindurchzumanövrieren. War auf jeden Fall sehr lustig und man konnte sich die Colleges mal von der anderen Seite – von hinten – sich angucken.
Einen Tag haben wir auch an der englischen Küste in Felixstowe verbracht. Zum Glück hat das Wetter mitgespielt, sodass wir einen schönen Strandspaziergang machen konnten. Es war zwar noch nicht so warm und es hat ein kühler Wind geweht, aber die Sonne hatte den ganzen Tag geschienen. Diese Kombination war allerdings auch sehr trügerisch, sodass sich mein Nacken ‘nen schönen Sonnenbrand eingefangen hatte — der sich mittlerweile aber wieder gelegt hat.
Den letzten Tag haben wir in London verbracht, da es der einzige Tag war, an dem die Bahnstrecke mal nicht gesperrt war. An den meisten Wochenenden wird die Strecke für Gleisarbeiten gesperrt, damit die Pendler dann in der Woche nach London kommen. Auf dem Bahnhof stand dann sogar schon Werbung, dass sie stolz sind verkünden zu können, dass die Strecke am letzten Samstag dieses Monats mal nicht gesperrt wird…
In London haben wir uns Westminster Abbey angeguckt (wo wahnsinnig viele Berühmtheiten begraben liegen) und einen Stadtrundgang gemacht über die Geschichte von London “until it got burned down” und die vielen Bauwerke von Sir Christopher Wren, die alle danach entstanden sind. Den Rest des Tages haben wir einfach genutzt um London zu genießen und sind nach Camden Town gefahren. Abends ging’s dann noch zum “London Eye” für einen tollen Blick über London, wo auch einige neue Fotos entstanden sind:
Ipswich
Jetzt habe ich zwar schon was über London geschrieben, aber die Stadt, in der ich wohne, hat eher weniger Aufmerksamkeit bekommen — das möchte ich nun schleunigst nachholen. Ipswich ist nämlich durchaus ganz interessant, auch wenn ich hier ungläubige Blicke bekommen habe, als ich gesagte habe, dass ich auf einem Rundgang durch die Stadt war. Viele, die hier wohnen, haben sich nämlich noch nicht wirklich damit beschäftigt und regen sich nur auf, dass sie in einer “dead city” gelandet sind.
Das ganze ist jetzt schon fast zwei Wochen her, da war hier noch toller Sonnenschein. Letzte Woche, als ich zum Spiel Manchester City gegen Hamburg in nen Pub gegangen bin, hat sich das Wetter mal typisch englisch gezeigt — da konnte ich gleich meinen tollen neuen Regenschirm einweihen. Die letzten Tage ist die Sonne aber wieder rausgekommen.
Ipswich ist die “älteste neue” Stadt; das heißt, es ist die erste von den Angeln und Sachsen gegründete Stadt in England (ca. 600 AD). Damals noch als Handelshafen, der auch heute noch existiert (und wo sogar die meisten Kräne momentan in Betrieb sind — jedenfalls als ich geguckt hatte). Es gibt hier eine sehr schöne Innenstadt mit einigen noch gut erhaltenen Häusern aus dem 15. Jahrhundert. Am Wochenende schieben sich da Massen von Shopping-wütigen Engländern durch. Aus der selben Zeit stammen auch ca. ein Duzend typische englische Kirchen, oben rechts ist eine davon, die St. Lawrence Church, zu sehen.
Ein Gebäude sticht dabei hervor, und zwar das Willis Building (beide Bilder links) vom britischen Architekten Norman Foster, der übrigens auch die Reichstagskuppel und das “London Testicle” (Rathaus der Greater London Authority) entworfen hat. Sonst hat Ipswich noch einen schönen Park, der auch (jedenfalls bei gutem Wetter) sehr belebt ist.
Das kann man von dem Ipswich Nachtleben leider nich immer behaupten. Heute war der St George’s Day, und um den zu feiern, hatten einige Kneipen Live-Bands und DJs engagiert. Wir waren allerdings neben 5 weiteren Personen die einzigen Leute im Pub, die sich das angehört haben. Jetzt weiß ich auch, warum Ipswich den Ruf hat, tot zu sein…

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